Italien, „das Land, in dem die Zitronen blühen“, bildet seit Jahrzehnten eine Projektionsfläche für die Sehnsüchte von Reisenden aus dem Norden. Die „dolce vita“ lässt von Genuss und Qualität ebenso wie von einem entschleunigten Leben fernab nordeuropäischer Geschäftigkeit träumen – ein Selbstbild, das ebenso konstruiert ist wie die Idealisierung des Südens. Die „Italienische Reise“ von Johann Wolfgang von Goethe Ende des 18. Jahrhunderts steht am Beginn einer enormen Bildproduktion, die dann vor allem ab dem 19. Jahrhundert die touristische Vorstellung von Italien geprägt hat. Goethes Reise unterschied sich von vergleichbaren Unternehmungen seiner Zeitgenossen, weil sie nicht nur eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem fremden Land, sondern auch die literarische Aufbereitung eines Selbstfindungsprozesses darstellte. Heute würde man diese Fahrt wohl als „Selbstfindungstrip“ bezeichnen, durch den Goethe, der vielbeschäftigte Minister, seine Kreativität wiederfinden wollte. Lange nach seiner Rückkehr veröffentlichte Goethe seine Erlebnisse in Form eines Tagebuches.
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27.6.2020 - 26.10.2020